Baustellenkamera und Internetausfall: Bleibt eine Lücke im Zeitraffer?
Wir haben bei einer laufenden Baustellenkamera das Netzwerkkabel gezogen, danach den Strom abgeschaltet – und geprüft, wie der Zeitraffer hinterher aussieht. Ein Praxistest mit Hikvision und TimelapseRobot.
Teil der Serie · Leitfaden Langzeit-BauzeitrafferLangzeit-Zeitraffer für Bauprojekte: der Profi-Guide (Monate bis Jahre)
Kurze Antwort
Nein – nicht, wenn die Kamera lokal puffert und nachlädt. Im Test speicherte eine Hikvision-IP-Kamera ihre Bilder während des Netzausfalls weiter auf der microSD-Karte, lud den Rückstand nach der Rückkehr der Verbindung von selbst zu TimelapseRobot hoch, und jedes verspätete Bild landete an seiner Originalaufnahmezeit. Eine Lücke entsteht nur für die Zeit, in der die Kamera selbst keinen Strom hat – denn dann entstehen keine Bilder.
Sechs Monate Bauzeit, und am Ende fehlen zwei Wochen. Diese Angst steckt hinter fast jeder Frage, die wir zum Langzeit-Zeitraffer bekommen – und sie ist berechtigt. Niemand kontrolliert die Kamera jeden Tag, und wenn am Ende Bilder fehlen, ist das Material deutlich weniger wert. Die Frage, die Interessenten wirklich haben, lautet nicht „welche Kamera", sondern: Was passiert mit meinem Zeitraffer, wenn auf der Baustelle das Internet oder der Strom ausfällt?
Herstellerprospekte beantworten das nicht. Also haben wir im September 2026 eine Baustellenkamera aufgebaut, das Kabel gezogen, den Strom abgeschaltet und nachgemessen. Das ist dabei herausgekommen.
So war der Test aufgebaut
Eine Hikvision-IP-Kamera (DS-2CD2687G2HT-LIZS, Firmware V5.7.14 build 231028) nimmt nach festem Zeitplan ein JPEG auf und schickt es per FTP an die TLR-Cloud. TimelapseRobot archiviert die Bilder nach Aufnahmezeit und rendert das Video. Die Kamera baut die Verbindung nach außen auf, deshalb ist keine Portfreigabe nötig – der Aufbau funktioniert hinter einer Mobilfunkverbindung genauso wie am Festnetz.

Wie die Einrichtung Schritt für Schritt geht, steht in unserer Hikvision-Anleitung. In diesem Artikel geht es darum, was passiert, wenn etwas schiefgeht.
Test 1: Netzwerkkabel gezogen, Kamera läuft weiter
Die Kamera blieb an ihrer 12-V-Versorgung, während wir das Netzwerkkabel zogen. Aufnahmeintervall: eine Minute.
- Die Kamera nahm nach Zeitplan weiter auf.
- Sie speicherte die Bilder auf ihrer microSD-Karte.
- TimelapseRobot bekam während des Ausfalls erwartungsgemäß nichts.
Dann steckten wir das Kabel wieder ein. Die Kamera lud die fehlenden Bilder von selbst hoch, arbeitete den Rückstand ohne jeden Eingriff ab und kehrte in ihren normalen Rhythmus zurück. Keine Lücke.

Das entscheidende Detail: wo die verspäteten Bilder landen
Einen Rückstand hochzuladen ist nur die halbe Antwort. Die andere Hälfte ist, *wo* diese Bilder im Archiv landen. Sortiert eine Plattform nach Ankunftszeit, landen die Bilder aus zwei Stunden Ausfall gestapelt an einem einzigen falschen Zeitpunkt – der Zeitraffer springt.
Im Test landete jedes verspätete Bild an seiner Originalaufnahmezeit, nicht am Zeitpunkt des Uploads. Die Kamera schreibt den Aufnahmezeitpunkt in den Dateinamen, TimelapseRobot liest ihn aus, und die Zeitleiste bleibt chronologisch richtig, ohne dass jemand eingreift. Genau diese Eigenschaft macht aus Pufferung erst Lückenlosigkeit.
Eine einzige Einstellung sorgt dafür, und sie ist ab Werk aus: Automatische Netzwerkergänzung aktivieren in den FTP-Einstellungen der Kamera. Ohne sie bleiben die gepufferten Bilder für immer auf der Karte. Es ist das wichtigste Häkchen im ganzen Aufbau.
Test 2: kompletter Stromausfall
Auf einer echten Baustelle bleibt ein Stromausfall nicht beim Router stehen – auch die Kamera geht aus. Deshalb der härtere Test: LTE-Gateway abgeschaltet, Kamera lief etwa fünf Minuten ohne Netz weiter, dann wurde auch die Kamera abgeschaltet. Danach kam zuerst das Gateway zurück, dann die Kamera.
Ergebnis: Die während des Gateway-Ausfalls aufgenommenen Bilder überstanden den Neustart der Kamera auf der microSD-Karte, wurden nach dem Wiedereinschalten beider Geräte hochgeladen und erschienen an ihrer Originalaufnahmezeit. LTE, Upload, Uhrzeit und Fernzugang stellten sich von selbst wieder her. Niemand musste zur Baustelle fahren.
Ehrliche Grenze: was eine Kamera nicht puffern kann
Für die Minuten, in denen die Kamera selbst keinen Strom hatte, gibt es keine Bilder – und damit auch nichts nachzuladen. Diese Lücke ist echt, und sie ist Physik, kein Produktfehler. Wenn du also eine Lücke im Zeitraffer siehst, lautet die erste Frage nicht „ist der Upload ausgefallen", sondern „hatte die Kamera Strom". Nur der zweite Fall erzeugt eine Lücke, die kein Aufbau vermeiden kann.
Was wir nicht getestet haben und deshalb nicht behaupten können: Ausfälle von mehr als wenigen Minuten und den Dauerbetrieb über mehrere Tage mit dem Intervall, das wir für den Produktionsbetrieb empfehlen. Intervalle von 5 Sekunden und 1 Minute liefen in voller 8-Megapixel-Auflösung fehlerfrei; für Projekte über Monate empfehlen wir 5 bis 10 Minuten – mit einer Kontrolle der ersten Anlage nach einigen Tagen.
Wie lange reicht der Speicher auf der Karte?
Das hängt von drei Zahlen ab: dem freien Speicher für Bilder, der durchschnittlichen Dateigröße eines Bildes und dem Intervall.
> Pufferdauer = freier Bildspeicher ÷ (Dateigröße je Bild ÷ Intervall)
Nimm die Dateigröße nicht aus einem Prospekt – sie schwankt mit Motiv, Tageslicht und Qualitätsstufe; ein Nachtbild ist deutlich kleiner als eine detailreiche Baustelle bei Sonne. Miss sie: Lade nach einem Tag Betrieb einige Bilder aus TimelapseRobot herunter und bilde den Mittelwert. Mit 25 % Bildquote auf einer 366-GB-Karte hatte der Test weit mehr Platz, als wenige Minuten Ausfall brauchten; die vollständige Rechnung steht im Handbuch.
Was das für dein Projekt bedeutet
Ein Langzeit-Zeitraffer scheitert auf zwei Arten: Die Kamera hört auf zu fotografieren, oder die Bilder verlassen die Baustelle nie. Gegen das Erste hilft Dauerstrom – siehe unseren Leitfaden zur Stromversorgung von Zeitraffer-Kameras. Gegen das Zweite helfen lokale Pufferung und automatisches Nachladen, und die Fernüberwachung sagt dir, welcher der beiden Fälle eingetreten ist, solange sich noch etwas retten lässt – das behandelt unser Leitfaden zum Remote-Monitoring.
Wenn du bereits eine FTP-fähige IP-Kamera besitzt, kannst du sie kostenlos mit der TLR-Cloud verbinden und den Test selbst wiederholen. Alles, was wir an der Kamera eingestellt haben, samt der Stolperfallen, an denen sonst kein Bild ankommt, steht in der Hikvision-Anleitung; der vollständige geprüfte Ablauf mit Testprotokoll im 49-seitigen Handbuch. Getestet und dokumentiert von Thomas Pöcksteiner, Filmspektakel, September 2026.
Häufige Fragen
- Entsteht bei einem Internetausfall eine Lücke im Baustellen-Zeitraffer?
- Nicht, wenn die Kamera die Bilder lokal puffert und später hochlädt. Im Test mit einer Hikvision-IP-Kamera und TimelapseRobot speicherte die Kamera ihre Bilder während des Ausfalls weiter auf der microSD-Karte, lud den Rückstand nach der Rückkehr der Verbindung automatisch hoch, und jedes Bild landete an seiner Originalaufnahmezeit – die Zeitleiste blieb ohne Eingriff richtig.
- Was passiert mit dem Zeitraffer bei einem Stromausfall?
- Für die Zeit, in der die Kamera keinen Strom hat, entstehen keine Bilder – diese Lücke bleibt, das ist Physik und kein Fehler. Bilder, die vor dem Ausfall aufgenommen wurden und noch auf der microSD-Karte warteten, überstanden im Test den Neustart und wurden danach an ihrer Originalaufnahmezeit hochgeladen. LTE, Upload, Uhrzeit und Fernzugang stellten sich von selbst wieder her.
- Warum landen nachgeladene Bilder an der richtigen Stelle?
- Weil die Kamera den Aufnahmezeitpunkt in den Dateinamen schreibt und TimelapseRobot die Bilder nach diesem Zeitstempel einsortiert, nicht nach der Upload-Zeit. Ein Rückstand von zwei Stunden füllt deshalb die zwei Stunden, zu denen er gehört, statt sich am Zeitpunkt des Uploads zu stapeln.
- Welche Kameraeinstellung ist für die Pufferung unverzichtbar?
- „Automatische Netzwerkergänzung aktivieren" in den FTP-Einstellungen der Hikvision. Sie ist ab Werk aus; ohne sie bleiben die während eines Ausfalls gepufferten Bilder auf der Karte und werden nie hochgeladen.
- Wie lange überbrückt die microSD-Karte einen Ausfall?
- Pufferdauer = freier Bildspeicher ÷ (Dateigröße je Bild ÷ Intervall). Die Dateigröße hängt von Motiv, Licht und Qualität ab – miss sie an den Bildern eines echten Betriebstags, statt einen Wert anzunehmen. Der Test deckte Ausfälle von wenigen Minuten ab; längere Ausfälle wurden nicht geprüft.
Deine Kamera kann schon FTP?
Dann brauchst du keine neue Hardware. Leg ein kostenloses TLR-Cloud-Konto an, trag die FTP-Daten in deine Kamera ein, und jedes Einzelbild landet in einem Online-Archiv mit Upload-Überwachung und Rendering per Klick.
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